Der Spaß, Karrieren zu zerstören: So fies mobben deutsche Rapper

Ein gesellschaftliches Problem, das wohl jeder kennt, trifft man immer öfter auch in der Rapszene an: Mobbing. Die testosterongeprägte Welt des Hip-Hops scheint geradezu prädestiniert zu sein für fiese Lästereien, systematische Ausgrenzung und pure Bösartigkeit – mit teils verheerenden Einzelschicksalen.

Montagmorgen in Berlin. Der 33-jährige Rapper Laas U. (Name von der Red. gekürzt) macht sich auf dem Weg in eine örtliche Booth, um an seinen Freestyle-Skills zu arbeiten und ein paar Triplerhymes zu kicken. Während es vor einigen Jahren am Hochpunkt seiner Karriere noch des Öfteren vorkam, dass ihm vor der Wohnung Paparazzi aufgelauert haben, plagen ihn heute andere Probleme: chronische Angstgefühle vor Mobbing-Attacken.

An sich ist ja Mobbing leider nichts Besonderes mehr, jeder achte Berufstätige wurde bereits Opfer. Der Unterschied bei öffentlich bekannten Personen wie Laas U. ist jedoch die weit größere Zielgruppe von potenziellen Tätern. Nicht selten kommt es vor, dass ihn plötzlich unbekannte Leute auf der Straße beleidigen.

Neben harmlosen Sprüchen wie „Na, hast du deinen Rucksack zu Hause vergessen“ fallen auch verletzende Bemerkungen zu seiner Karriere, z.B. ob bei seinem letzten Konzert etwa weniger Besucher als Backuprapper anwesend waren. Sprüche, die ihren Ursprung in Mobbing-Attacken von Kollegah und Farid Bang haben, welche das letzte halbe Jahrzehnt damit verbrachten, nebenbei aus Spaß systematisch U.s Karriere zu zerstören.

Obwohl Opfer wie Laas U. häufig ein Gefühl der Machtlosigkeit haben, gibt es Möglichkeiten sich zu wehren, wenn man sein Problem erst erkannt hat, sagt Psychologe Dr. Bauer. „Wichtigste Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich mit den eigenen Angriffsflächen auseinanderzusetzen. Nur wer erkannt hat, warum er immer wieder zur Zielscheibe giftiger Attacken wird, kann auch wirksam gegensteuern.“

Hip-Hop-Mobbingopfer wie Laas U. helfen solche Aussagen jedoch nicht, da Mobbing in der Deutschrap-Szene mit normalem nicht vergleichbar ist. Es werden nicht nur vernichtende „Beefs“ einfach so zu Promo- oder Unterhaltungszwecken gestartet, auch die Aggressivität und Dreistigkeit ist auf einem anderen Level. Brutale Gangster-Rapper wie Kollegah machen sich einen Spaß daraus, verwundbare Rapkollegen ins Karriereaus zu schikanieren.

Egal wie schwierig die Situation in der deutschen Rapszene auch ist, für Experte Bauer steht fest: Wer gemobbt wird, sollte dagegen vorgehen. Eine gute Taktik ist, das Problem mithilfe von Anwälten und Gerichtsprozessen anzugehen – insbesondere, wenn man wie U. sowohl bei wörtlichen als auch körperlichen Auseinandersetzung chancenlos ist.

Einen Weg, den auch der Rapper Kay One eingeschlagen hat – mit Erfolg. Über zwei Jahre lang wurde er von einem bösartigen Berliner Kollegen nicht nur gemobbt, sondern sogar um seinen Künstlernamen gebracht. Durch zahlreiche Gerichtsprozesse konnte er sich zumindest diesen wiederholen.

Kay One überwand die schwierige Zeit und ging gestärkt hervor. Heute ist er neben seiner Rapkarriere ein gefeierter Fernsehstar mit Auftritten in zahlreichen Unterhaltungssendungen auf RTL und RTL2. Was das jedoch zur Nebensächlichkeit werden lässt: seit er diese Erfolge verbuchen konnte, verstummen langsam aber sicher auch die Mobbing-Attacken aus der Rapszene.

Mit zusätzl. Annotations auch veröffentlicht bei: RapGenius
© Der Sprechgesangskurier; Foto: Selfmade Records, CC-BY-SA-2.0

  • huihuihui

    so ne scheiße, das ist kein mobbing
    BEEF gehört zu Rap ihr hirnis!!