Anabolika am Pausenhof: So zerstören deutsche Rapper unsere Kinder

Die Eltern des 15-jährigen Kevin L.‘s machen sich große Sorgen. Nicht weil der Berliner Hauptschüler vor kurzem den fünften Schulverweis wegen Schwänzens bekommen hat. Auch nicht über die anstehende Mandeloperation des jungen Rabauken. Sondern wegen seines ständig aufgeschwemmten Körpers und diversen anderen gesundheitlichen Beschwerden, deren Ursachen lange Zeit für Rätsel sorgte. Nun wurde der Grund endlich entdeckt: Anabolika, welche Kevin seit rund drei Jahren konsumiert – u.a. wegen deren glorifizierenden Darstellung in Deutschrap-Texten.

Was Profi-Bodybuilder vormachen, ahmen offenbar tausend deutsche Jugendliche nach. Auf etwa 30.000 wird die Zahl der minderjährigen „Hobbyspritzer“ geschätzt, die zum Muskelaufbau phasenweise regelmäßig Anabolika nehmen (sog. „Kuren“.) Die offensichtlichen Merkmale sind i.d.R. starke Akne und ein aufgeblähter bzw. aufgeschwemmter Körper. Merkmale, die bei Kevin statt auf seinen exzessiven Anabolika-Konsum lange Zeit auf schlechte Gene zurückgeführt wurden.

„Erst dachten wir, seine Freunde aus dem Fitnessstudio hätten ihn zu dem Teufelszeug gebracht. Aber nein, schuld ist anscheinend diese grauenvolle Hip-Hop-Musik.“, so seine bestürzte Mutter. In der Tat glorifizieren viele deutsche Gangsta-Rapper den Gebrauch von Anabolika offen in ihren Texten, was Kevin und zigtausende andere Heranwachsende zu den eigentlich verbotenen Dopingmittel brachten. Nur um, wie Kevin betont, „auch cool zu sein“.

Mittelpunkt des Geschehens ist oft der Pausenhof der örtlichen Hauptschule. Dort wird nicht nur den neuesten musikalischen Werken von deutschen „Gangsta-Rappern“ wie Haftbefehl oder Massiv gelauscht, sondern auch über die Themen der Texte diskutiert und philosophiert. Eine immer wieder kehrende Thematik: Anabolika. Auf dem Album „JBG2“ von Kollegah und Farid Bang fallen Zeilen wie „Pures Anabol, nur die Masse zählt.“ Farid Bang selbst konsumiert die Substanzen angeblich, weil sein Geschlechtsorgan zu überdimensioniert sei. Aussagen, mit denen sich viele deutsche Jugendliche identifizieren können.

Wenn man die Jugendlichen auf dem Pausenhof nach den Vor- und Nachteilen von Anabolika frägt, bekommt man meistens ahnungslose Gesichter zu sehen, einige wenige wissen immerhin noch den Hauptvorteil des schnelleren Muskelaufbaus. Viele konsumieren die Stoffe jedoch ohne jegliches Wissen darüber, selbst einfachste Fachbezeichnungen wie Propionat sind ebenso unbekannt wie die durchaus problematischen Nachteile, z.B. Leberschäden, Herz-Kreislauf-Probleme, Gynäskomastie (Brustbildung beim Mann) oder gar Hodentrophie (Verkümmerung der Hoden).

Dabei liegt die Schuld an der Unwissenheit jedoch nicht nur bei den Jugendlichen selbst, wie ein Lobbyist eines nicht näher genannten Dopingmittelkonzerns betont. „Woher sollten sie es auch wissen, wenn es Ihnen keiner sagt.“ Neben ihm fordern deswegen auch viele Hip-Hop-Experten schon seit Jahren die ausführliche Behandlung von Körperaufbaustoffen im Musik-Unterricht. „Das bringt die zunehmende Verbreitung von deutschem Rap nun mal mit sich, da muss auch das Schulsystem angepasst werden.“ Worte, die hoffentlich bald Anklang finden, schießlich geht es um nichts Geringeres als unsere Kinder, unsere Zukunft.

Mit zusätzl. Annotations auch veröffentlicht bei: RapGenius
© Der Sprechgesangskurier; Foto: Own work/Hansa, CC-BY-SA-3.0

  • Remo Ole von Lienen

    lächerlich. hip hop ist also daran schuld, dass irgenwelche spacken sich anbol spritzen ohne ahnung davon zu haben. ich nehme ja auch keine dopingmittel

    außerdem ist die hodenatrophie reversibel

    • Persister

      …womit du dich scheinbar auskennst 😀

      • Remo Ole von Lienen

        nicht aus eigener erfahrung

  • Muhammad Ali

    alter so ne kake, kollegah sagt selbst in interviews immer dass anabol scheiße ist!
    also was soll der scheiß, geht euch aufhängen