Absurder Merchandise-Wahnsinn: So treiben Rapper ihre Fans in die Privatinsolvenz

2014 war für den 21-jährigen Kevin D. bisher nicht wirklich sein Glücksjahr. Zuerst verließ ihn die Freundin, danach starb sein Vater und nun der bisherige Gipfel: Privatinsolvenz. Doch wie vielen anderen haben Kevin D. nicht die Schulden vom Auto oder Wohneigentum das Genick gebrochen, sondern die Skrupellosigkeit geldgeiler Deutschrapper.

Punch Arogunz – bürgerlich Benjamin Posern – ist ein Paradebeispiel des krankhaft habgierigen Sprechgesangsartisten. In Videoblogs befiehlt er seinen Unterstützern unentwegt seine maßlos überteuerten Merchandiseartikel zu kaufen; in Songs gibt er offen zu, dass er seine Fans nur als „laufende T-Shirts“ betrachtet und es ihn freut, wenn sie „blank“ sind.

Auf dieses Verhalten angesprochen, kommen von Arogunz meistens beschwichtigende Antworten, in denen er das Ganze als Spaß darstellt, nicht wissend was er mit seinem Verhalten tatsächlich auslöst. Dabei ist er nur einer unter vielen, im Vergleich zu vielen berühmteren Rappern sogar noch ein harmloses Beispiel. Die Folge: Verschuldung unter Jugendlichen tritt heute 20-mal so häufig auf als noch vor 40 Jahren und speziell bei Fans von Hip-Hop/Rap ist ein überdurchschnittlich hoher Anteil ersichtlich.

Mit der generell größeren Armut von Hip-Hop-Fans hat das jedoch genauso wenig zu tun wie Kay One mit der Rapszene. Mit dem exzessiven Marketing deutscher Sprechgesangsartisten hingegen schon eher. Angesichts des Release-Dauerbeschuss‘ kaufen viele jede Woche mind. 2 Album-Boxen für je 40€, dazu monatlich mindestens ein Fan-Hoodie für 30€, mehrere Fan-Shirts für je 20€, ein Konzertbesuch für 25€ usw.. So geben viele Hip-Hop-Fans im Monat mehr als 500€ für ihre angebeteten Künstler aus – Geld, an dem sich diese dekadent bereichern, statt etwas an ihre jungen Fans zurückzugeben.

Besonders bei den großen Labels muss die Gelddruckmaschine ständig auf Hochtouren laufen, allein die Ausgaben für Banger Musik und Selfmade Records schlugen bei deren Fans letztes Jahr durchschnittlich mit (zusammen) über 4000€ zu Buche. Statistiken, die betroffenen Rap-Süchtigen wie Kevin D. leider nicht viel nützen. Er selbst war enthusiastischer Fan von vielen verschiedenen Künstlern, darunter neben den Kommerzrappern a la Farid Bang und Kollegah auch von festival- und konzertaffinen Rap-Crews wie den 257ers oder Trailerpark.

Eine explosive Mischung, die Kevin zuerst in die Schulden und nun daraus folgend in die Privatinsolvenz führte. Von seinem Ausbildungsgehalt als Maler und Lackierer konnte er die exorbitanten Kosten irgendwann nicht mehr aufbringen, die extra dafür aufgenommenen Kredite irgendwann nicht mehr zurückzahlen. Seine Freundin hatte irgendwann genug vom Leben in Angst vor Inkassounternehmen und Krediteintreibern und verließ ihn, sein Vater tat es vor Sorge um seinen gescheiterten Sohn seiner bereits vor Jahren gestorbenen Frau gleich und nahm sich das Leben.

Bis vor kurzem arbeitete Kevin D., mittlerweile an schweren Depressionen leidend, mit zwei Nebenjobs über 80 Stunden die Woche, um irgendwie über die Runden zu kommen und nebenbei noch Schulden begleichen zu können. Ein Leben, das ihn sowohl psychisch als auch physisch an die Grenzen brachte. Schlussendlich resignierte er und leitete die Eröffnung der Privatinsolvenz ein, um eventuell irgendwann wieder ein normales Leben führen zu können – frei von Schulden, frei von Rap.

Mit zusätzl. Annotations auch veröffentlicht bei: RapGenius
© Der Sprechgesangskurier; Foto(bearbeitet): Anneli Salo, CC-BY-SA-3.0

  • DasKStehtFürGefahr

    Mit meinem Album unterschreibt ihr automatisch einen Kreditvertrag mit 20% Zinsen

    • derbster

      und wann kommt dein album schlaumeier?!

  • derbster

    hahah was soll das sein hier

    • szudeml

      satire 😉