Review: Sierra Kidd – Nirgendwer

Von Constantin Deraux

Wer ein Rapballett choreographiert, braucht neben der obilgatorischen Ballerina zunächst zweierlei Zutaten: eine Story, die uns ergreift, und eine Klangwelt, die zwingend Euphorie auslöst. RAF Camora hat für seine jüngste Kreation dabei wohl alles versucht, was möglich war, aber dennoch nur ein mittelästhetisches Kunstwerk abgeliefert.

Camora nennt seine Schöpfung „Sierra Kidd“, weicht geschickt den Vergleichen aus und stellt die triste Figur des weinerlichen Balletttänzers in den Fokus seiner Aufführung. Leider wirkt der mürrisch wirkende Haupttänzer oft als nicht nur komische, sondern schlichtweg falsche Wahl. Die wohl grandioseste Entscheidung betrifft die Musik, denn der Indipendenza-Intendant beauftragte mit sich selbst einen graziösen Beat-Kavalier, den er von seiner Zusammenarbeit an eigenen Aufführungen kannte und schätzte.

Auf einen tugendhaften Jüngling zu setzen, erwies sich freilich als verhängnisvolle Wahl. Natürlich flowt dieser jegliche Verse und jeden Zwischenton des Textes. Seine Vertonung krankt indes an der allzu ungelenken Übersetzung der Reime in die Welt des Balletts. Kidd reiht sinnlose Dunkelheitsmetaphern aneinander, als hätte er es mit einer Todesouvertüre zu tun.

„Sierra Kidd“ als anmutig graziles, seiner selbst bewusst werdendes Wunderwesen rückt in manchen Tracks die Realness auf sehr behutsame Weise in den Mittelpunkt des ansonsten von Monotonie dominierten Albums. Entzückende Gegenpole sind seine Featuregäste, so bietet Prinz Pi als sich vor lauter Langeweile polygam verausgabender, dauerblasser Zirkusrapper dem Zuschauer starke Charakterportraits.

Die vom Ballerinus in formidable Reime gesteckten Gesellschaftsszenen sind dann zwar getanzt nicht unansehnlich, gewinnen im gern keimfreien Theater aber kaum herausragende Ausmaße von Ironie und Inbrunst. Storytelling ist und bleibt der große Ästhet des Hip-Hops, und das ist ja auch gut so. Doch dass diese vielschichtige, so bewegende Geschichte dann trotz der bildschönen Ausführung und wegweisenden Musik so wenig beeindruckt, ist schade.

Bewertung: 3/5 Glasballerinas

© Der Sprechgesangskurier

  • Huiuiui

    war ja klar dass dieser mega-gaye typ ballett tanzt…

  • huihuihui

    irrelevante schwchtel