Review: KC Rebell – Rebellution

Von Constantin Deraux

Es ist schier unglaublich: KC Rebell, der Opernstar unter den deutschen Rapper, hat unter Anleitung seines musikalischen Spiritus rectors und Label-Chefs Farid Bang mit „Rebellution“ nicht weniger als ein grandioses, aus der totalen Dunkelheit zu voller Allgemeingültigkeit aufsteigendes Meisterwerk des Deutschraps geschaffen.

Es scheint nicht nur jede einzelne Arie bis in die kleinste Geste hinein punktgenau umgesetzt, der selbsternannte Rebell schafft es zudem auch erstmals mit scharfsinnig herausgearbeiteter Nuancierung die verschiedenen Gefühlswelten seines tragischen Lebens zu durchschreiten – da wirkt nichts aufgesetzt oder chargiert. Man ist selbst bei der in diesem Fall schwierigen (da dramatischen) Figurenzeichnung mit glühender Spiellust bei der Sache, von Prolog bis Epilog ist das wunderbar ästhetische „Rebellution“ ohne Schwächen – auch nicht im bei der Konkurrenz oft seichten dritten Viertel des Werks.

Nicht minder beeindrucken auch die Features: Man fiebert geradezu euphorisch mit den schöngeistigen Label-Kumpanen bei deren stilvoll erzählten Dichtungen mit (tief beeindruckend: Countertenor Majoe). Auch ein ansonsten oft unterschätzter Kurdo agiert mit einer stets konvergenten Präzision mit dem Text. Die unübertroffen beste Leistung liefert allerdings Mezzosopran Summer Cem als parasitärer Genussmensch zu Beginn des zweiten Aktes („Hayvan“) ab – mittels eines wahrhaftigen Kabinettstücks an vokaler und mimischer Gestaltung was seines Gleichen sucht.

Ein nicht unwesentlicher Beitrag zum positiven Gesamteindruck steuern letztlich auch noch die feinfühligen Kompositionen bei – es erwartet einen dramaturgisch eindrucksvoll in Szene gesetztes klassisches Klanggut, gepaart mit volksliedhaft Traumwandlerischem und choralähnlich Marschmäßigem.

Summa summarum bleibt mir als bekennender Fan solch klassischer Kunst nur übrig, den Hut zu ziehen und an alle anderen deutschen Rapper die Empfehlung auszusprechen, sich bei diesem Werk zukünftig ruhig mal ein bisschen zu bedienen.

Bewertung: 5/5 Operngläser

© Der Sprechgesangskurier